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Emotionen

Dominique F. J. Arago (1786-1853), Direktor des Pariser Observatoriums:

Am 8. Juli 1842 waren bei Perpignan gegen 2 000 Menschen aus allen Ständen, Gelehrte, Bürger, Landleute, Soldaten zusammengeströmt, um die große, im Süden Frankreichs total erscheinende Sonnenfinsternis zu beobachten. Es waren wohl – dank vorhergehender Aufklärung über die Natur des Vorgangs – nur wenige unter diesen Menschen, die nicht von der klarsten Überzeugung erfüllt waren, daß diese Erscheinung zu den natürlichen, gesetzmäßigen, berechenbaren gehöre, über die man bei gesundem Verstande keine Ursache habe sich zu beunruhigen. Beim Beginn der Finsternis schien nur Neugierde und Wetteifer die Menge zu bewegen, die beim Anblick des ersten kleinen Ausschnitts am westlichen Sonnenrande in ein ungeheures Geschrei ausgebrochen war. Als aber die Sonne, auf einen schmalen Streifen zurückgeschnitten, ein schwaches, unsicheres Licht über die Landschaft zu werfen begann, bemächtigte sich eine sichtliche Unruhe der Zuschauenden; jeder empfand das Bedürfnis, den Umstehenden seine Empfindungen mitzuteilen, und ein dumpfes, dem Tosen eines fernen Meeres ähnliches Brausen erhob sich aus der Menge. Dieses dumpfe Brausen schwoll immer stärker und stärker an, je schmäler die Sonnensichel wurde. Endlich verschwand sie, Dunkelheit trat ein, und ein totenähnliches Schweigen bezeichnete diese Phase der Finsternis ebenso scharf, wie es ein Pendel der astronomischen Uhr getan hätte.
Das Verschwinden des Tagesgestirns, dem der Quell allen irdischen Lebens, die Wärme, entströmt, hatte den Mutwillen der Jugend, die Leichtfertigkeit der Schwätzer, die lärmende Gleichgültigkeit der Ungebildeten überwunden.
Auch in der Luft herrschte tiefe Stille, und die Vögel hatten aufgehört zu singen.


                                        Eine Schilderung des Dichters Adalbert Stifter:

...dies alles wußte ich im voraus und zwar so gut, daß ich eine totale Sonnenfinsternis so treu beschreiben zu können vermeinte, als hätte ich sie bereits gesehen... Da ich die Erscheinung mit eigenen Augen anblickte, da geschahen freilich ganz andere Dinge, an die ich weder wachend noch träumend gedacht hatte. Nie und nie in meinem Leben war ich so erschüttert von Schauer und Erhabenheit wie in diesen zwei Minuten, es war nicht anders, als hätte Gott auf einmal ein deutliches Wort gesprochen und ich hätte es verstanden...
Ich weiß, daß ich nie, weder von Musik noch von Dichtkunst, noch von irgendeinem Phänomen oder einer Kunst so ergriffen und erschüttert worden war... Es kann kein Herz geben, dem nicht diese Erscheinung einen unverlöschlichen Eindruck zurückgelassen habe...
Man wende nicht ein, die Sache sei ja natürlich und an den Bewegungsgesetzen der Körper leicht rechenbar, die wunderbare Magie des Schönen, die Gott den Dingen mitgab, fragt nicht nach solchen Rechnungen. Selig das Herz, welches sie empfinden kann.